Kurt
THANHAUSER

1915 - 2005 I
Döbelestraße 4
Stolperstein verlegt am 09.07.2018
Kurt THANHAUSER Döbelestraße 4

Von Konstanz nach Buenos Aires: Kurt Thanhausers Weg durch Exil und Familientragödien

Kurt Thanhauser wurde als zweiter Sohn der Familie Thanhauser am 9. April 1915 in Konstanz geboren.

Er besuchte die Realschule, absolvierte die Mittlere Reife und ging anschließend zur Handelsschule – die übliche Vorbereitung auf den beruflichen Werdegang eines Einzel- oder Großhandelskaufmanns. Diese Schulausbildung in Konstanz verlief parallel zu jener seiner gleichaltrigen jüdischen Kameraden aus Konstanz Isi Guggenheim und Kurt Löwenstein, die wie er später nach Argentinien emigrierten und die er in Buenos Aires wiedertreffen sollte.

Beeinflusst von seinem älteren Bruder Ernst wanderte Kurt Thanhauser im Alter von 18 Jahren schon im Jahre 1933 – gleich nach der Regierungsübernahme durch die National­sozialisten – aus Deutschland aus und fand Aufnahme bei Verwandten in Spanien.

Während des Spanischen Bürgerkriegs flüchtete er dann im Jahr 1937 aus Europa nach Südamerika und erreichte nach einem Zwischenaufenthalt in Brasilien seine neue Heimat Buenos Aires in Argentinien. Seine guten Spanisch­kenntnisse ermöglichten es ihm, dort schnell eine Stelle als kaufmännischer Angestellter zu erhalten.

Kurt heiratete die aus Frankfurt stammende Lieselotte Metzger. Das Paar hatte zwei Kinder – Sohn Juan Miguel und Tochter Silvia.

Der Sohn, Juan Miguel, war ein sozial engagierter Jugendlicher in Opposition zur argentinischen Militär­diktatur. Er wurde ein Opfer dieser Militärjunta und gehörte zu den „desaparecidos“, den „spurlos Verschwundenen“: Er wurde heimlich entführt, wahrscheinlich gefoltert und umgebracht, ohne dass Eltern und Verwandte jemals erfuhren, wann, wo und wie er ermordet wurde. Auch ein Grab gibt es nicht.

So wurde die Familie Thanhauser Opfer gleich zweier Diktaturen.

Recherche: Hans Seiffert
Patenschaft: Hans Seiffert

Quellen & Literatur:

T. Engelsing, Das Jüdische Konstanz, Blütezeit und Vernichtung. Südverlag Konstanz 2015.
Auskünfte Silvia Thanhauser.
Initiative Stolpersteine für Konstanz, Familie Thanhauser – Opfer zweier Diktaturen, www.undestino.net, Abruf 3.1.2024.
Jüdische Allgemeine vom 21.07.2011 (Bericht Wolfgang Kaleck), Stadtarchiv Konstanz, Archiv Rosgartenmuseum Konstanz.
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Familienmitglieder

Hans
THANHAUSER

1879 - 1937 I
Döbelestraße 4

Martha
THANHAUSER, geb. OETTINGER

1886 - 1966 I
Döbelestraße 4

Heinz Karl (Chaim)
THANHAUSER

1920 - 1974 I
Döbelestraße 4

Ernst
THANHAUSER

1913 - 1990 I
Döbelestraße 4