Frauen mit bunten Röcken und goldenen Ohrringen? Lagerfeuer und Gitarrenklänge? Die Bilder, die wir oft mit Sinti und Roma verbinden, zeigen nur Facetten dieser Menschen. Ihre lange Geschichte ist den wenigsten bekannt. Silke Stürmer führt mit vielen Bildern hinein in diese Geschichte – vorbei an Lagerfeuern und Gitarrenmusik, aber vor allem hinein in eine Geschichte der Klischees und Vorurteile, die schließlich in den Porjamos, das „große Verschlingen“ führte, wie der Holocaust bei Sinti und Roma heißt.
Nach dieser kurzen, allgemeinen Einführung legt Herbert Brettl den Fokus auf „Die Situation der österreichischen Roma und Sinti, ihre Stigmatisierung, Diskriminierung vor 1938 bzw. nach 1945 und ihre Verfolgung während der NS-Herrschaft am Beispiel des Lager Lackenbachs.“
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich im Jahr 1938 wurden Maßnahmen, die bereits in den 1930er-Jahren und auch davor gegen Roma und Sinti konzipiert worden waren, systematisch umgesetzt. Zwangsarbeit sowie die Internierung von Romnja und Roma in Zwangsarbeitslagern bildeten zentrale Bestandteile der nationalsozialistischen Politik. Das größte Anhalte- und Zwangsarbeitslager für Roma und Sinti im nationalsozialistischen Deutschen Reich wurde im November 1940 im burgenländischen Lackenbach errichtet. Das Lager war ein Ort systematischer Schikanen, struktureller Ausgrenzung und erzwungener Arbeit. Zugleich fungierte es als zentrales Durchgangslager für die Deportation tausender Roma und Sinti in Konzentrations- und Vernichtungslager. Im Vortrag werden zudem die Stigmatisierung und Ausgrenzung der Roma und Sinti auch nach 1945 sowie die Entwicklung der Erinnerungs- und Gedenkkultur bis heute beleuchtet.
Herbert Brettl ist Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Burgenland, Netzwerkkoordinator von erinnern.at, Burgenland, Projektleiter der „Initiative Erinnern Frauenkirchen“, Herausgeber der Buchreihe „Burgenländische Lebensgeschichten“ und Kurator einer Reihe von zeithistorischen Ausstellungen. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Beiträge und Bücher zur burgenländisch-westungarischen Zeitgeschichte geschrieben.
Silke Stürmer ist Filmemacherin und als Pfarrerin Beauftragte für die Zusammenarbeit mit Sinti und Roma. Sie unterrichtet an Schulen und Hochschulen und hat, neben einer Unterrichtsreihe, zwei Dokumentarfilme über die größte Minderheit Europas realisiert. Leitung des Arbeitskreises „Sinti/Roma & Kirchen“ in Württemberg.
Eine Kooperationsveranstaltung von Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz, Arbeitskreis Sinti/Roma und Kirchen Baden-Württemberg und Volkshochschule Landkreis Konstanz e. V.