Laura
FERBER

1881 - 1942 I
Seestraße 29
Stolperstein verlegt am 27.06.2014
Laura FERBER Seestraße 29

Laura Ferber galt als gute Klavierspielerin und erteilte auch Klavierunterricht

Laura Ferber wurde am 4. April 1881 in Wien geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden Wiener jüdischen Familie. Sie hatte fünf Geschwister, die alle den Holocaust überlebten.

Laura Ferber war ein „zartes, geistig reges Kind“. 1905 kam sie von Wien nach Konstanz und lebte zunächst bei ihrer Schwester Elsa und ihrem Schwager Robert Stux in der Zumsteinstraße 8. Laura Ferber hatte massive psychische Probleme und war zwischen 1916 und 1920 jeweils mehrere Monate in der Heilanstalt Christiansbad in Göppingen und in der Heilanstalt Reichenau bei Konstanz. Infolge einer missglückten Beinoperation war sie leicht gehbehindert.

1920 machte sie in Leipzig eine Ausbildung zur Lehrerin, übte diesen Beruf aber nie aus. Sie war nicht verheiratet. Nach Ihrer Lehrerausbildung kam Laura Ferber zurück nach Konstanz und hatte nun ihren festen Wohnsitz in der Villa ihres Schwagers Robert Stux in der Seestraße 29. Sie nahm am gesellschaftlichen Leben des Ehepaares Stux teil; sie galt als gute Klavierspielerin und erteilte auch Konstanzer Bürgern Klavierunterricht.

Laura Ferber bemühte sich vergeblich um die Auswanderung in die USA. Im August 1939 wurde ihr vom amerikanischen Konsulat die Vormerknummer 51.000 zugeteilt. Das städtische Wohnungsamt, welches für die Zuteilung von Wohnraum für Juden zuständig war, notierte daraufhin in einem internen Vermerk, dass „in absehbarer Zeit nicht mit ihrer Auswanderung gerechnet werden kann.“

Am 14. Mai 1940 wurde sie und das Ehepaar Stux zwangsweise in ein “Judenhaus” in der Bruder­turmstraße 8 umgesiedelt. Nach dem “Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden” vom 30. April 1939 war es deutschen Mietern nicht zuzumuten, mit Juden in einem Haus zu wohnen. Juden mussten in „Judenhäuser“ umziehen, im Jargon der Nazi-Bürokratie waren das Häuser, die Juden gehörten und in denen nur Juden wohnen durften.

Am 22. Oktober 1940 wurde Laura Ferber mit 108 anderen Juden aus Konstanz, nach Gurs in Süd­frank­reich deportiert.

Unter den Deportierten befanden sich auch ihre Schwester Elsa und ihr Schwager Robert Stux. Im Lager wurde Laura Ferber, wie auch andere Konstanzer Juden, von der jüdischen Gemeinde Kreuzlingen mit Lebensmitteln unterstützt; mehrere Dankesbriefe haben sich erhalten (siehe hier).
 
Ende Februar 1941 wurde Laura Ferber von Gurs in das neu eingerichtete Lager Noé, 20 km südlich von Toulouse, verlegt. Dieses Lager, wie übrigens auch Le Récébédou, waren sogenannte Camps-hôpitaux, d.h. Spital-Lager. Diese Lager waren in Wirklichkeit aber weder Hospitäler noch Altenheime, hatten aber feste Baracken. Sie wurden eigens für alte und gebrechliche Juden eingerichtet. Die Verhältnisse im Lager Noé waren aber genauso menschen­unwürdig wie in Gurs. Die ärztliche Versorgung war miserabel. Laura Ferber musste trotz großer gesundheitlicher Beschwerden fünf Wochen auf einen Arzt warten; auch die Wasch- und Dusch­möglichkeiten waren sehr eingeschränkt.
 
Am 10. August 1942 wurde Laura Ferber von Noé in das Sammellager Drancy, 20 km nördlich von Paris, überstellt.
 
Drancy war ein Sammel- und Durchgangslager für Transporte nach Auschwitz. So wurden zwischen 1941 und 1944 etwa 65.000 Juden, darunter 6.000 Kinder, mit Eisen­bahn­transporten in die Todeslager im Osten im „General­gouvernement“ Polen depor­tiert.
 
Drancy lag auf einer Hochfläche 20 Kilometer nordöstlich von Paris. Es war von Schuttablade­plätzen, einzelnen niedrigen Gehöften und einigen Fabriken umgeben. Das Lager selbst war eine Ansammlung dunkler massiger Gebäude und hatte etwa die Form eines Hufeisens. Es war ursprünglich als Unterkunft für Arbeiter errichtet worden.
 
Das U-förmige Hauptgebäude des Lagers bestand aus fünf Geschossen, und von den Treppenabsätzen gelangte man in große Räume ohne weitere Unterteilung, in die etwa 60 Erwachsene oder 100 Kinder gepfercht waren. Die internierten jüdischen Männer und Frauen waren getrennt, auch wenn es sich um Ehepaare handelte.
 
Die Gefangenen schliefen auf Stroh, das auf die Bodenplanken gestreut war. Die Ernährung war sehr schlecht, sie bestand aus zwei Schöpfkellen wässriger Suppe, 250 Gramm Brot und zwei Erdbirnen (Topinambur). Gegen Bestechung war es auch möglich, sich Nahrungsmittel von außerhalb zu besorgen oder schicken zulassen, vorausgesetzt, die Angehörigen wussten die Adresse der Inhaftierten. Das Lager wurde von Franzosen bewacht und der Lagerkommandant war ein Offizier der französischen Armee. Zwischen 1941 bis 1944 befanden sich nie weniger als 5000 Personen im Lager.
 
Vom Bahnhof Le Bourget-Drancy verließ am 14. August 1942 ein Transport mit 1015 Juden Richtung Auschwitz. Es war der 19. Transport dieser Art nach Auschwitz.
 
Der Transport setzte sich vorwiegend aus Juden zusammen, die aus den Lagern Les Milles, Récébédou, Noé und Rivesaltes in der unbesetzten Zone am 10. August nach Drancy gebracht worden waren. Etwa 238 bereits in Drancy internierte Juden wurden diesem Transport noch hinzugefügt; zu der Gruppe gehörten viele Familien mit insgesamt mindestens 22 Kindern, darunter auch Kinder unter zwölf Jahren.
 
Unter den 1015 Todeskandidaten des Transports befanden sich Laura Ferber und das Konstanzer Ehepaar Toni und Salomon Guggenheim.
 
Nach der Ankunft des Transports am 16. August 1942 in Auschwitz-Birkenau und der Selektion an der berüchtigten Rampe wurden alle Häftlinge bis auf 115 arbeitsfähige jüngere Männer noch am selben Tag in der Gaskammer ermordet. Unter den Opfern war auch Laura Ferber. Laut dem Historiker Serge Klarsfeld gab es 1945 nur einen einzigen Überlebenden dieses Transports, einen jungen Juden aus Minsk.

Recherche: Uwe Brügmann
Patenschaft: Petra Quintini

Quellen & Literatur:

Archives départementales des Pyrénées-Atlantiques, Pau.
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 2 Bände, (Bearb. vom Bundesarchiv Koblenz und dem Internationalen Suchdienst Arolsen), Koblenz 1986.
Klarsfeld, Serge: Vichy-Auschwitz. Die Endlösung der Judenfrage in Frankreich. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft, 2007, S. 457.
Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Robert und Elsa Stux, F 196/1, 1181 und 800.
Staatsarchiv Freiburg, Krankenakte Laura Ferber, B 822 / 2, Nr. 578 a + b.
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Familienmitglieder

Elsa
STUX, geb. FERBER

1879 - 1956 I
Seestraße 29