Klara
DUKAS

1882 - 1942 I
Kreuzlinger Straße 68
Stolperstein verlegt am 25.09.2020
Klara DUKAS Kreuzlinger Straße 68

Verfolgung und Deportation: Das Leidensweg von Klara Dukas während des Zweiten Weltkriegs

Klara Dukas wurde am 13. April 1882 als Tochter von Moritz und Bertha Dukas, geb. Epstein, in Sulzburg geboren.

In der kleinen Stadt im Markgräflerland gab es eine bedeutende jüdische Gemeinde. Vater Moritz Dukas war einige Jahre ihr Vorsteher, außerdem war er Mitglied des Gemeinderats von Sulzburg. Er betrieb eine Weinhandlung, die sich in der Hauptstraße 29 befand, wo die Familie auch wohnte.

Die Eheleute Dukas starben 1908 bzw. 1913 und sind auf dem Jüdischen Friedhof in Sulzburg beerdigt.

Der jüngere Bruder Simon war Soldat im Ersten Weltkrieg.

Simon Dukas übernahm die väterliche Weinhandlung. Er unterstützte seine ledige Schwester. Auf seinem Hochzeitsfoto von 1921 ist Klara Dukas direkt neben der Braut, Fanny Eisenmann, zu erkennen.

Im Oktober 1924 zog Klara Dukas zu ihrer Schwester Rosa Schriesheimer nach Konstanz. Die Familie Schriesheimer lebte mit ihrem Sohn Hugo am Bodanplatz 10 im Haus von Simon Levinger, dessen Metzgerei sich im Erdgeschoss befand.

Max Schriesheimer betrieb eine Eisenwarenhandlung in der Nachbarschaft. 1935 zog die Familie Schriesheimer mit Klara in die Kreuzlinger Straße 68 um. Das stattliche Haus, das früher Salomon Picard gehört hatte, ist inzwischen einem Neubau gewichen. 1939 stieß auch die jüngere Schwester Helene Dukas aus Worms zu ihnen.

Im Januar 1940 mussten alle zusammen in die Bruderturmgasse 6, in ein sogenanntes „Judenhaus“ umziehen. Klaras Neffe Hugo Schriesheimer erinnert sich später: „Da waren zwei Häuser in der Bruderturmgasse, Nr. 6 und 8, […] in diese Häuser, da mussten wir einziehen und durften nur in bestimmten Geschäften unsere Lebensmittel einkaufen und natürlich durften wir uns in keinem Restaurant oder Café mehr blicken lassen.“ [Hugo Schriesheimer, zitiert nach Marie-Elisabeth Rehn S. 38]

Gemeinsam wurden sie am 22. Oktober 1940 ins Lager Gurs in Südfrankreich deportiert. Hugo Schriesheimer, der in Peterhausen in einer Ziegelei Zwangsarbeit leistete, wurde am Vormittag nach Hause gerufen: „Die Gestapo war dagewesen und hatte angeordnet, dass wir uns innerhalb einer Stunde zur Abreise fertigmachen sollten: „Jede Person darf einen Koffer mit 50 kg mitnehmen, vollständige Bekleidung, eine Wolldecke, Verpflegung für mehrere Tage, Ess- und Trinkgeschirr, 100 Mark Bargeld; Reisepässe, Kennkarten oder sonstige Ausweise sind mitzuführen. Alles andere muss zurückgelassen werden!“ […]
 
Als wir auf die Straße kamen, standen schon die Autos für den Transport zum Bahnhof bereit. Ein Teil der Nachbarschaft hat auf der Straße gestanden und stillschweigend zugeschaut.
[Hugo Schriesheimer, zitiert nach Erhard Roy Wiehn, S. 133/134]
 
Die Zustände im Lager Gurs waren katastrophal. Die jüdische Gemeinde in Kreuzlingen unterstützte die Inhaftierten mit Briefen, Lebensmittelpaketen und Geld. Aus dem Jahr 1941 ist ein Brief von Klara Dukas erhalten, in dem sie sich bei Erna Veit in Kreuzlingen bedankt:
 
Klara Dukas, Ilôt M.
Camp de Gurs, 8. Sept. 1941
Baraque 23
Basses Pyrénées, France
 
Liebe Frau Erna Veit!
 
Für die immerwährende Zusendungen der Liebesgaben (6 Päckchen je 3 meiner Schwester und mir) danken wir von Herzen. Wir freuen uns immer mit solchen Geschenken.
 
Zum Jahreswechsel senden Ihnen, gleichzeitig all den lieben Freunden dort, die innigsten Wünsche. All unser Sehnen ist ein baldiges Wiedersehen. […]
 
Gute Feiertage, nebst herzliche Grüße entbieten Ihnen
 
Helene und Klara Dukas

 
Im August 1942 trennten sich die Wege der 3 Dukas-Schwestern: Während Rosa mit ihrer Familie in Südfrankreich blieb, kamen Klara und Helene zunächst ins Durchgangslager Drancyhttps://de.wikipedia.org/wiki/Sammellager_Drancy. Von dort wurden sie am 10. August weiter nach Auschwitz deportiert.
 
Genaueres über die Todesumstände von Klara Dukas ist nicht bekannt.

Recherche: Birgit Lockheimer
Patenschaft: Dorothea Geissler

Quellen & Literatur:

Stadtarchiv Sulzburg.
Stadtarchiv Konstanz.
Staatsarchiv Freiburg.
Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich.
Bundesarchiv Gedenkbuch.
ITS Arolsen.
Marie-Elisabeth Rehn: Hugo Schriesheimer. Ein jüdisches Leben von Konstanz durch das KZ Dachau, das französische Internierungslager Gurs, das Schweizer Asyl und die USA nach Kreuzlingen, 1908-1989, hrsg. von Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre Verlag Konstanz 2011.
Hugo Schriesheimer: Die Hölle von Gurs, in Erhard Roy Wiehn (Hg.): Camp de Gurs. Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940, Konstanz 2010.
Erich Bloch: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation, Konstanz 1971, 3. Auflage 1996.
www.ancestry.com
www.juden-in-sulzburg.de.
www.wormserjuden.de.
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Familienmitglieder

Rosa
SCHRIESHEIMER, geb. DUKAS

1880 - 1944 I
Bodanplatz 10

Helene
DUKAS

1890 - 1942 I
Kreuzlinger Straße 68