Adelheid
BLOCH

1908 - 1940 I
Döbelestraße 4
Stolperstein verlegt am 4.10.2007
Adelheid BLOCH Döbelestraße 4

Ein Leben mit Krankheit führte zur Vergasung in der Mordanstalt Grafeneck

Adelheid Bloch wurde am 12. April 1908 in Konstanz geboren. Sie war die Tochter des Anwalts Dr. Moritz Bloch und dessen zweiter Frau Ida (geb. Weil). Bereits als Dreijährige erkrankte Adelheid an Hirnhautentzündung, von der sie sich nie wieder erholte.

 

Ab Juni 1927 war sie Patientin der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch. Ihr Vater war Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Konstanz. Am Morgen des 10. November 1938 wurde er gemeinsam mit den meisten männlichen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde verhaftet. Die SS-Leute wollten ihn im Rhein ertränken, was nur durch den Protest von Passanten verhindert werden konnte. Im Gebäude der Gestapo wurde er in den folgenden Stunden misshandelt, und nach Schlägen mit einer Stahlrute erblindete er auf einem Auge. Ihm und seiner Frau gelang 1939 die Flucht über Zürich nach Brasilien. Adelheid blieb jedoch in Wiesloch; ihre Eltern hatten vorher noch dafür sorgen können, dass das Pflegegeld regelmäßig für sie überwiesen werden konnte.

 

Im Rahmen der „Aktion T4“ wurde auch Adelheid erfasst. Ihre Selektion erfolgte – völlig unabhängig von der Dauer ihres Anstaltsaufenthalts, ihrer Heilungschancen oder ihrer Arbeitsfähigkeit – allein aufgrund ihrer Abstammung. Am 15. April 1940 hatte das Reichsinnenministerium angeordnet, alle „jüdischen Geisteskranken“ nach Berlin zu melden. Das badische Innenministerium war dieser Anweisung gefolgt und hatte am 23. Mai 1940 den Aufenthalt von 49 Jüdinnen und 58 Juden in badischen Heil- und Pflegeanstalten gemeldet.

Am 25. Juni 1940 wurde Adelheid Bloch in die Mordanstalt Grafeneck deportiert und dort noch am selben vergast und eingeäschert.

Recherche: Roland Didra
Patenschaft: Eyal Bloch

Quellen & Literatur:

Bundesarchiv: Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Adelheid Bloch;
Bloch, Erich: Das verlorene Paradies. Ein Leben am Bodensee 1897–1939, Konstanz 1992;
Hinz-Wessels, Annette: Antisemitismus und Krankenmord. Zum Umgang mit jüdischen Anstaltspatienten im Nationalsozialismus, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 61 (2013), Nr. 1, S. 65–92;
Faulstich, Heinz: Von der Irrenfürsorge zur „Euthanasie“. Geschichte der badischen Psychiatrie bis 1945, Freiburg 1993, S. 257f.;
Stadtarchiv Konstanz: Einwohnermeldekarten vor 1945
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Familienmitglieder

Moritz
BLOCH

1868 - 1946 I
Döbelestraße 4

Ida
BLOCH, geb. WEIL

1878 - 1950 I
Döbelestraße 4