Kurt Albert
STRÖHLE

1922 - 1940 I
Hussenstraße 40
Stolperstein verlegt am 13.09.2015
Kurt Albert STRÖHLE Hussenstraße 40

Ein Leben in Kinderheim und Psychiatrie endet mit der Vergasung in Grafeneck

Kurt Albert Ströhle wurde am 2.10.1922 in Konstanz geboren. Er war der unehelich geborene Sohn von Luise Ströhle. Er hatte noch eine jüngere Schwester Johanna Maria, die am 8.3.1925 zur Welt kam.

Die Mutter arbeitete als Hausmädchen und Fabrikarbeiterin. Sie gab den mittlerweile zweijährigen Jungen zu Pflegeeltern nach Nenzingen. Nach und nach stellte sich heraus, dass das Kind eine geistige Behinderung hatte. Die Pflegeeltern waren damit überfordert. So wurde der kleine Kurt am 10.6.1927, also wenige Monate vor seinem 5. Geburtstag, im St. Josefsheim Herten bei Lörrach aufgenommen. Seine Mutter Luise verließ in dieser Zeit ihre Wohnung in der Hussenstr. 40.

Zum Zeitpunkt der damaligen Recherche, vor der Stolpersteinverlegung im Jahr 2015, war der Bestand R 179 im Bundesarchiv Berlin noch nicht einsehbar und damit entscheidende Details noch unbekannt. Aus der inzwischen erfolgten Einsichtnahme stellte sich im Jahr 2023 heraus, dass der Junge von Konstanz nach Nenzingen kam, was bedeutet, dass dies als letzter Wohnort vor seiner Einweisung anzusehen ist.

Seine Mutter wechselte sehr oft ihren Wohnort. In Konstanz war sie bis zum 19.12.1931 gemeldet und verzog danach nach Kreuzlingen. Ab diesem Zeitpunkt verliert sich ihre Spur.

Kurt lebte über 12 Jahre im St. Josefsheim in Herten. Auch seine jüngere Schwester war mittlerweile in derselben Einrichtung, da auch sie eine geistige Behinderung hatte. Damit teilte sie das Schicksal ihres Bruders: Sie wurde am 26.9.1940 mit dem 4. Transport von Herten in die Mordanstalt Grafeneck gebracht und vergast.

Kurts letzte Spur findet man in den Akten im Archiv Herten: „ Am 25.10.1939 ungeheilt entlassen.“ Er galt als bildungsunfähig und nicht arbeitsfähig. Er wurde immer verhaltensauffälliger und konnte deshalb nicht mehr dort betreut werden.

So wurde er am 25.10.1939 in die Heil-u. Pflegeanstalt bei Konstanz gebracht. Genau zu diesem Zeitpunkt, in den Herbstwochen des Jahres 1939, kamen in den Pflegeanstalten die Meldebögen an, in denen die Diagnosen der Patienten an das Reichsinnenministerium in Berlin gemeldet werden mussten. Dies war der Beginn der „Aktion T4“.

Kurts Name findet sich auf der 6. Transportliste von der Anstalt bei Konstanz in die Mordanstalt Grafeneck. Dort wurde er am 10.10.1940, also genau 8 Tage nach seinem 18. Geburtstag, vergast und sein Leichnam am selben Tag eingeäschert.

Bis zum Jahr 1982 stand seine Urne unbeachtet, zusammen mit fast 200 weiteren Urnen, in einem Kellerraum des Konstanzer Krematoriums. Sie wurden in einem Massengrab bestattet. Dort findet man auf einer Namenstafel auch den Namen Kurt Ströhle und die Jahreszahlen 1922 bis 1940. Siehe dazu auch: „Der Konstanzer Urnen-Skandal“

Recherche: Roland Didra
Patenschaft: Heinz Krahnen

Quellen & Literatur:

Archiv St. Josefshaus Herten;
Bundesarchiv (BArch): Bestand R179, Nr. 896;
Stadtarchiv Konstanz: Einwohnermeldekarte
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