Karl
KATZ

1892 - 1940 I
Katzgasse 5
Stolperstein verlegt am 01.11.2019
Karl KATZ Katzgasse 5

Vom Patienten zum Opfer der „Aktion T4“

Karl Katz wurde am 28. August 1892 in Hochdorf, einem Ortsteil von Horb am Neckar, geboren und später evangelisch getauft. Er erlernte den Beruf des Bäckers und war Soldat im Ersten Weltkrieg. Am 17. Dezember 1915 heiratete er mit 23 Jahren in Bingen am Rhein die zwei Jahre jüngere Anna, geb. Fuhrmann. 1916 zog das Paar nach Konstanz an den Obermarkt 6. Am 9. November desselben Jahres kam die Tochter Hilda zur Welt, ein Jahr später, am 3. Dezember 1917, der Sohn, der den Vornamen seines Vaters erhielt.
Die Familie Katz wechselte in den folgenden Jahren öfter den Wohnsitz in Konstanz, wohnte lange Jahre in der Hussenstraße 60 und ab dem 19. April 1933 in der Katzgasse 5. Seine Frau Anna hatte sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits von ihm getrennt und war nach Zürich gezogen. (Sie kehrte später nach Konstanz zurück und heiratete dort am 16. Dezember 1942 erneut.)

Am 4. November 1933 wurde Karl Katz in der Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz aufgenommen. Wieso es zu seiner Einweisung kam, ist seiner nur noch wenige Seiten umfassenden Patientenakte nicht zu entnehmen.

Erhalten geblieben ist lediglich ein Schriftstück vom 10. Oktober 1940, also zehn Wochen nach der Ermordung von Karl Katz. Darin ging es um die bevorstehende Hochzeit seines Sohnes Karl. Im Betreff steht: „Eheaufgebot Katz, Karl geb. 3.12.1917“. Der Leiter des Gesundheitsamtes Konstanz erkundigt sich darin beim Leiter der Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz nach der Diagnose des Vaters. Es dürfte sich dabei um eine Überprüfung gemäß des „Gesetzes zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes“ (Ehegesundheitsgesetz) vom 18. Oktober 1935 gehandelt haben. Leider fehlt das Antwortschreiben, das die Frage nach der Erkrankung hätte beantworten können.
 
Nach sechseinhalbjährigem Aufenthalt in der Anstalt wurde Karl Katz zusammen mit 74 weiteren männlichen Patienten am 24. Juli 1940 in einem Konvoi von drei grauen Bussen in die circa 120 Kilometer entfernte Mordanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb gebracht, dort am selben Tag vergast und eingeäschert.
 
Seine Urne fand sich Jahrzehnte später im Keller des Krematoriums des Konstanzer Hauptfriedhofs. Siehe dazu auch: „Der Konstanzer Urnen-Skandal“

Recherche: Roland Didra
Patenschaft: Ulrike Schatz

Quellen & Literatur:

Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg B822/3 Nr.27;
Stadtarchiv Konstanz: Einwohnermeldekarte;
Transportliste Grafeneck
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