Josef
GÖTSCHL

1914 - 1941 I
Katzgasse 1
Stolperstein verlegt am 13.09.2015
Josef GÖTSCHL Katzgasse 1

Von der Gestapo verhaftet und ohne Gerichts­verfahren nach Dachau gebracht

Josef Karl Götschl wurde am 15. Oktober 1914 in Konstanz geboren. Seine Eltern waren Peter Götschl und Hermine, geb. Weilhammer.

Josef Götschl hatte keinen Beruf erlernt, er verdiente seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter. Götschl war nicht verheiratet.

Josef Götschl hatte 8 Geschwister. Sein Bruder Emil, geb. 28. März 1920 in Konstanz, kämpfte 1937 als Frei­williger im spanischen Bürgerkrieg und ist dort vermut­lich gefallen.

Nach Beendigung seiner Schulzeit ging Götschl ins Ausland, wohin ist nicht bekannt. 1930, so vermerkt die Einwohnerdatei Konstanz, ist er nach Konstanz zurückgekommen.

1931 übersiedelte er in die Schweiz. Im Frühjahr 1933 ging er vier Monate auf Wanderschaft (Walz) und kehrte im August 1933 nach Konstanz zurück. Von seiner Gesinnung her war Josef Götschl Kommunist, ob er aber Mitglied der KPD war, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Wie sein Bruder Emil wollte sich auch Josef Götschl 1937 als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg verpflichten. In Konstanz und Radolfzell gab es Büros zur Anwerbung von Spanien­kämpfern. Er wurde aber nicht genommen, da er einen verkürzten Arm hatte. Es ist durchaus möglich, dass seine Verhaftung im September 1939 auf seine Unterstützung der demokratisch gewählten spanischen Regierung zurückzuführen ist.

Sein Bruder Peter heiratete 1947 Maria Obergfell, die Tochter von Ferdinand Obergfell, der vor 1933 kommunistischer Gemeinderat von Wollmatingen war. Ferdinand Obergfell wurde am 21. März 1940 wegen Schmuggels kommunistischer Broschüren von der Schweiz nach Deutschland und Abhören von „Feindsendern“ zu 6 Jahren und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt, seine Tochter Maria zu 6 Monaten.

Am 10. September 1939 wurde Josef Götschl in Konstanz verhaftet. Seine damals 6jährige Nichte erinnert sich noch heute mit Schrecken daran, wie an jenem Tag um 5.45 Uhr vier Männer der Gestapo in die Wohnung stürmten und ihren Onkel abführten. Fast ein Jahr war er in Untersuchungshaft im Gefängnis Konstanz. Am 24. August 1940 wurde er ins KZ Dachau eingeliefert.
 
In Dachau wurde Götschl als „Schutzhäftling“ in den Akten geführt, d.h. er wurde von der Gestapo verhaftet und ohne Gerichts­verfahren nach Dachau gebracht; seine Häftlingsnummer war 154477.
 
Da Götschl kein Jude war, ist ein politischer Hintergrund seiner Verhaftung sehr wahrscheinlich. Am 4. September 1940 wurde Götschl von Dachau aus in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg im Norden von Berlin überstellt; hier war seine Häftlingsnummer 031277.
 
Er war dort in einem isolierten Block untergebracht, wo die Blockführer besonders grausam wüteten und zahlreiche willkürliche Morde an den Häftlingen verübten. Ob Götschl ein solches Mordopfer war, wissen wir nicht, Tatsache ist, dass er knapp 5 Monate nach Einlieferung in das KZ Sachsenhausen am 28. Januar 1941 verstorben ist.
 
In der Sterbeurkunde, ausgestellt vom Standesamt Oranienburg, wurden – wie bei vielen Häftlingen – als Todesursache „schwerer Dickdarmkatarrh und akute Herzschwäche“ angegeben. Götschl war bei seinem Tod ein junger Mann von 27 Jahren.

Recherche: Uwe Brügmann
Patenschaft: Ulrike Wirbartz

Quellen & Literatur:

Informationen vom ITS Arolsen.
Bundesarchiv Berlin.
Archiv KZ Dachau.
Archiv KZ Sachsenhausen.
Stadtarchiv Konstanz.
persönliche Mitteilung Peter Obergfell.
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Familienmitglieder

Emil
GÖTSCHL

1920 - I
Katzgasse 1