Franz
BRENZINGER

1895 - 1943 I
Scheffelstraße 6
Stolperstein verlegt am 20.05.2026
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Franz BRENZINGER Scheffelstraße 6

Wegen Beihilfe zum unerlaubten Grenzübertritt in Konstanz verhaftet und in Dachau als politischer Häftling ermordet.


Franz Brenzinger wurde am 13. Januar 1895 in Niederbühl, heute ein Stadtteil von Rastatt, geboren. Seine Eltern waren Gottfried Brenzinger und Louise, geb. Asal. Er wurde katholisch getauft und besuchte die Volksschule in Niederbühl. Franz Brenzinger war von Beruf Stickereizeichner. Vor 1914 wohnte er in Emmishofen (Kreuzlingen). Im Ersten Weltkrieg diente er in einer Maschinengewehr-Kompanie. Im Oktober 1917 geriet er an der Aisne in französische Kriegsgefangenschaft.

1920 kam Franz Brenzinger nach Konstanz und wohnte in mangels einer eigenen Wohnung zunächst im Hotel „Falken“ in Konstanzer Stadtteil Stadelhofen. Wahrscheinlich hoffte er, in Konstanz Arbeit zu finden. Konstanz war in den 1920er Jahren ein Zentrum der Textilindustrie. Es gab hier mehrere Großbetriebe wie Herosé, Stromeyer, Straehl, Schwarzenbach oder die Arboner Stickerei. Die Betriebe befanden sich fast alle in Wollmatingen, dem „Industriedorf“, vor den Toren von Konstanz. Unter den Nazis wurde Wollmatingen 1934 nach Konstanz eingemeindet. In welchem Betrieb Franz Brenzinger beschäftigt war, konnte nicht geklärt werden. Unklar ist auch, ob er gewerkschaftlich oder politisch organisiert war, d.h. ob er Mitglied einer politischen Partei wie der KPD oder SPD war. Franz Brenzinger war nicht verheiratet.

Über Franz Brenzingers privates Leben ist so gut wie nichts bekannt, außer dass er Junggeselle war und ein eher unstetes Leben führte, da er ziemlich oft in Konstanz und Kreuzlingen die Wohnadresse wechselte.

Seine Verhaftung durch die Gestapo und Inhaftierung im Konstanzer Gefängnis vom 29. November 1941 bis zum 20. Dezember 1941 deutet darauf hin, dass Franz Brenzinger kein Anhänger des Nationalsozialismus war. Am 13. Januar 1942 wurde Franz Brenzinger erneut verhaftet und am 1. März 1942 wegen Beihilfe zum unerlaubten Grenzübertritt in die Schweiz vom Amtsgericht Konstanz zu zehn Wochen Gefängnis verurteilt. Wem er zur Flucht in die Schweiz helfen wollte (oder verhalf), ließ sich nicht klären. Franz Brenzinger war jetzt aber im Visier der Gestapo.

Am 26. März 1943 wurde Franz Brenzinger erneut verhaftet und am 27. April 1943 im Einzeltransport in das KZ Dachau überstellt. Die Eisenbahnfahrt dorthin dauerte über eine Woche; am 5. Mai 1943 wurde er in Dachau als Schutzhäftling registriert. Schutzhäftling bedeutet, dass Franz Brenzinger ein politischer Häftling war, der ohne ordentliches Gerichtsverfahren in das KZ eingeliefert wurde. Wie alle politischen KZ-Häftlinge mussten er an seiner Kleidung unterhalb der Gefangenennummer den roten Winkel für politische Häftlinge tragen. In Dachau hatte er die Nummer 47616.

„Die Schutzhaft“, so formulierte es 1938 ein Erlass des Reichsministeriums des Innern, sei „eine Zwangsmaßnahme der Geheimen Staatspolizei zur Abwehr aller volks- und staatsfeindlichen Bestrebungen von Personen […], die durch ihr Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates gefährden.” Somit konnten alle unbequemen, andersdenkenden und mit dem neuen System unzufriedene Personen aufgrund der ständigen Bedrohung durch die Schutzhaft eingeschüchtert und durch die Einlieferung in ein KZ aus dem Weg geräumt werden.

Schon wenige Wochen nach seiner Einlieferung in das KZ Dachau ist Franz Brenzinger am 30. Mai 1943 im Lager verstorben. Als Todesursache nennt der Totenschein, ausgestellt vom Sonderstandesamt Dachau, dass eigens zur Beurkundung der Todesfälle im KZ eingerichtet wurde: „Versagen von Herz und Kreislauf bei Lungenentzündung“. Viel wahrscheinlicher aber ist, dass er an den unmenschlichen Haftbedingungen im Lager verstarb.

Recherche: Uwe Brügmann
Patenschaft: Axel Diederichs

Quellen & Literatur:

Dokumente im ITS Arolsen
Stadtarchiv Konstanz
Ancestry.com
MyHeritage.com
KZ-Gedenkstätte Dachau