Eugen
BOFINGER

1884 - 1940 I
Sankt-Gebhard-Platz 30
Stolperstein verlegt am 04.10.2007
Eugen BOFINGER Sankt-Gebhard-Platz 30

Gedenken an Eugen Bofinger: Opfer der T4-Aktion

Mit diesem Stein gedenken wir Eugen Bofingers, eines Opfers der “Euthanasie”, der sogenannten T4-Aktion. Diese wurde nach dem Sitz der zuständigen Entschei­dungs­behörde in Berlin, Tiergartenstraße. 4, benannt.

Da keine Verwandten oder Nachfahren ermittelt werden konnten, lässt sich leider nur sehr wenig zu Herrn Bofingers Biographie sagen. Nur soviel: Er wurde 1884 in Stuttgart/Feuerbach geboren, war von Beruf Ingenieur und verheiratet mit Else Bofinger, geb. Sedelmayer.

Seit 1914 lebte das Ehepaar in Konstanz, zuletzt am Sankt-Gebhard-Platz 30 im Erdgeschoss rechts, was ein noch lebender Zeitzeuge bestätigte.

Ab 1929 war Eugen Bofinger Patient in der Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Im Staatsarchiv Freiburg ist lediglich das “Fahrnisverzeichnis” vorhanden, eine Liste der Habseligkeiten, die er bei seiner Einweisung bei sich hatte.

Weitere Patientenakten sind nicht mehr auffindbar und somit auch keine Angaben über seine Erkrankung.

In der Einwohnermeldekarte der Stadt Konstanz findet sich als letzter Eintrag sein Todestag, der 30. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Diese Angaben sind falsch. Wie bei den meisten Opfern der “Euthanasie” wurden der Todesgrund, Tag und Ort ganz bewusst gefälscht, um Nachforschungen von Angehörigen zu erschweren oder sogar unmöglich zu machen. Um den Namen Grafeneck nicht zu oft auftauchen zu lassen, wurde etwa die Hälfte der in Grafeneck anfallenden Akten an die Standes­ämter der anderen Mordanstalten verschickt. Von dort aus wurden die Angehörigen über den Sterbefall informiert.

Als Todesursachen wurden Magenblutungen, Lungen­ent­zündungen etc. genannt.

Tatsache ist: Aus den Original-Transportlisten, die noch vorhanden sind, geht hervor, dass Eugen Bofinger am 07. Mai 1940 mit dem ersten von insgesamt 11 Transporten aus der Anstalt im Rahmen der T4-Aktion deportiert wurde. Zuerst nach Zwiefalten und fünf Wochen später, am 12. Juni 1940, in die Mordanstalt Grafeneck, wo er am selben Tag im Alter von 56 Jahren vergast und eingeäschert wurde.

Dieses Datum wurde von der heutigen Gedenk­stätte Grafeneck bestätigt.

Recherche: Roland Didra
Patenschaft: Anna Falduto

Quellen & Literatur:

Adressbücher Konstanz 1939 und 1943 (Stadtarchiv).
Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarteikarten vor 1945.
Faulstich, Heinz, Von der Irrenfürsorge zur "Euthanasie", Freiburg i.Brsg. 1993.
Material Faulstich: Recherchierte Patientenlisten mit Aufnahmedatum.
Material Faulstich: Kopien der Originaltransportlisten der Aktion T 4.
Opferliste der Gedenkstätte Grafeneck (Privatarchiv Didra).
Südkurier Konstanz 17.01.1983, "Jetzt werden Akten verglichen".
Südkurier Konstanz 02.02.1983, "Auch Urnen von KZ-Opfern dabei".
Staatsarchiv Freiburg, 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, B 822/3, Nr. 6.
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